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FIS

Führungsinformationssystem für Speditionen

 

Hintergrund:

Der deutsche Speditionsmarkt wurde bis 1993 reglementiert. Für das Controlling hatte dies im Wesentlichen zwei Konsequenzen. Tarifbindung und Kontingentierung der Unternehmen führten zu einer mangelnden Wettbewerbsdynamik infolge verminderter Anreize zur Innovation und Produktivitätssteigerung. Aufgrund dessen sahen sich die Wenigsten gezwungen, adäquate Controllingsysteme zur Verbesserung der Unternehmenssteuerung aufzubauen. Die Konzessionierung hatte eine Zersplitterung des Marktes in viele kleine und mittlere Unternehmen zur Folge. Zahlreiche Marktteilnehmer erreichen nicht die notwendige kritische Unternehmensgröße, um den administrativen Aufwand für die Einführung und Umsetzung eines umfassenden Controllingsystems zu rechtfertigen. Ergebnisse einer eigenen Untersuchung des Lehrstuhls für Verkehrssysteme und -logistik haben gezeigt, dass 62% der Unternehmen bis 50 Mitarbeiter und immer noch rund ein Drittel der Unternehmen zwischen 50 und 200 Mitarbeitern kein betriebsumfassendes Controlling in ihrem Unternehmen implementiert haben.Für ein adäquates Controlling ist die Definition geeigneter Kennzahlen notwendig. Finanzkennzahlen sind unspezifisch, Leistungs- und Qualitäts- sowie Strukturkennzahlen hingegen branchenspezifisch geprägt. Während es für den Bereich der innerbetrieblichen Logistik eine Reihe von VDI-Normen gibt, die geeignete Kennzahlen z. B. zur Leistungsfähigkeit des Warenausgangs definieren, existieren solche Kennzahlen für den Transportbereich nicht. Aufgrund unterschiedlicher Zielsetzungen hinsichtlich Zeit, Flexibilität und Qualität der Leistung sind diese jedoch nur eingeschränkt für Speditionen zu verwenden.

 

Ablauf:

Zunächst werden der konzeptionelle Aufbau und die Funktionalitäten für das Führungsinformationssystem festgelegt. Daran anschließend werden die zu verwendenden Methoden für die Wirtschaftlichkeitsberechnungen erarbeitet. Darüber hinaus werden geeignete Kennzahlen für das Benchmarking-Modul festgelegt. Im Anschluss hieran erfolgt die Auswahl der Kennzahlen, welche diese Prozesse charakterisieren. Um ein Unternehmens-Benchmarking zu ermöglichen, werden auch Finanzkennzahlen berücksichtigt.In einem weiteren Schritt werden noch einmal die tatsächlichen Datenbedarfe und deren Verfügbarkeit geprüft. In vorausgegangen Projekten wurde deutlich, dass leicht eine Situation der Informationsflut erzeugt werden kann. Darüber hinaus stehen die zur Kennzahlenbildung notwendigen Daten oftmals nicht in der notwendigen Form zur Verfügung.Schließlich wird das FIS für Speditionen unter Berücksichtigung der Ergebnisse der vorangegangenen Arbeitspakete erstellt. Dazu werden die Kennzahlen in Struktur-, Leistungs-, Qualitäts- und Finanzkennzahlen eingeteilt. Für jede Gruppe wird auf der Basis sachlogischer Abhängigkeiten ein Kennzahlensystem erzeugt. Für das Prognose-Modul werden die Datenbeziehungen zum Finanzkennzahlensystem erarbeitet und abgebildet.Weiterhin werden generische Ursache-Wirkungs-Ketten festgelegt. Sie unterstützen die Unternehmen bei der Suche nach Schwachstellen, da Anhaltspunkte für die Suche nach Veränderungen liefern können.Alle Ergebnisse werden abschließend in ein Internetportal überführt, um sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Ergebnisse:

Das Ergebnis des Forschungsvorhabens ist die Entwicklung eines Führungsinformationssystems (FIS), welches ein Kennzahlensystem zur Abbildung von Speditionen und ausgewählte Methoden zur Bewertung betrieblich relevanter Investitionsentscheidungen beinhaltet. Darüber hinaus wird das FIS ein Benchmarking der teilnehmenden Unternehmen ermöglichen. Das FIS ist modular aufgebaut, um eine einfache Implementierung in den Unternehmen zu ermöglichen. Es besteht aus drei Bausteinen, die einzeln oder in beliebiger Kombination verwendet werden können. Der erste Baustein umfasst die Kennzahlen und das dazugehörige Kennzahlensystem. In vorangegangenen Projekten wurden bereits Kennzahlen für den speditionellen Einsatz entwickelt. Die Zusammenführung zu einem Kennzahlensystem, welches neben der strategischen auch die operative Steuerung ermöglicht, ist Inhalt des Forschungsvorhabens. Dabei kann es notwendig sein, neue Kennzahlen zu bilden. Eine Zielsetzung ist demnach der Aufbau eines Kennzahlensystems und ggf. im Vorfeld die Bildung neuer, für den speditionellen Einsatz geeigneter Kennzahlen. Ein weiteres Ziel besteht im Aufbau eines Prognosetools. Hiermit werden zwei Intentionen verfolgt. Einerseits sollen die Auswirkungen von Investitionen auf den Betrieb und die wichtigsten Erfolgskennzahlen aufgezeigt werden. Andererseits können für Fahrzeuge oder Umschlagmittel optimale Ersatzzeitpunkte berechnet werden. Des Weiteren ist geplant eine Benchmarking-Plattform für die Anwender einzurichten. Diese enthält die wichtigsten Kennzahlen, welche zum Prozess- und Unternehmensvergleich notwendig sind. Besonders der Vergleich mit Wettbewerbern ist für Unternehmen interessant. Gleichzeitig stellt die Datenbeschaffung beim wettbewerbsorientierten Benchmarking das größte Problem dar. Diese Lücke soll im Rahmen des Projektes geschlossen werden. Schließlich werden für die Schwachstellenanalyse generische Ursache-Wirkungs-Ketten entwickelt. Sie unterstützen die Unternehmen bei der Suche nach Optimierungspotenzialen.

 

Ansprechpartner: Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen

 

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Allianz Industrie Forschung Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.